liebe leser:innen,
der winter ist eingekehrt und wirbelt unsere gedanken durch kalte luft. die perfekte zeit, um es sich gemütlich zu machen, ruhe zuzulassen und zu entspannen. doch zwischen pumpkin spice und eintopf kochen schlägt gern die leere zu. herbst und winter neigen dazu uns zur vermehrten vereinzelung einzuladen, anstatt gemeinsam die kalten jahreszeiten zu überstehen.
wir wissen viel über die ungewissheit der menschlichen zukunft auf diesem planeten, die unerträglichen nachrichten, die wir uns jeden tag wie medizin gegen die gefahren der unwissenheit tapfer einflößen. wir wollen es richtig machen, perfekt organisiert und belesen sein und ab und an klopfen die schönheitsideale an und fragen uns, ob wir dabei denn auch sexy aussehen. was dabei aber völlig vernachlässigt wird, ist das teilen von räumen, zusammen sein als erster schritt gegen die vereinsamung, gegen die ellenbogen, gegen den eindruck wir wären so weit entfernt voneinander wie schon lange nicht mehr. die gefühlten gräben sind tief, doch ich bitte darum sie als mäuse zu bevölkern. so erweckt die generation maus in mir den konkreten eindruck, dass zusammenhalt, das bilden von gegen(gemeinschaften) und eine gewisse romantisierung der feministischen solidarität starke bedürfnisse unserer zeit sind. statt winterschlaf und rückzug lädt diese ausgabe mantis magazine also zum beisammensein ein – seht die texte, collagen, illustrationen, comics und rezensionen als einladung ein euch mit lieben menschen auszutauschen und euch kennenzulernen, einzubuddeln oder unterzutauchen, denn wir werden einander immer weiter brauchen.
gleichzeitig sollten wir als menschen und bewegung in der lage sein konflikte gemeinsam auszuhandeln, uns wieder anzueignen argumente zu durchdenken und zu hinterfragen nach welchen schemata wir sie bewerten. deshalb sollten wir uns nicht beim ersten dissenz zerbeißen, sondern schauen, was genau mit welchen argumenten und denkfiguren gemeint ist, welche fallstricke sie möglicherweise beinhalten und abwägen lernen. in zeiten von girlboss feminismen, die uns einfach nur bestmöglich in den spätkapitalismus integrieren wollen und feminismen, die vom prinzip des universalismus abstand nehmen, erscheint es mir wichtig gleichermaßen solidarische kritik zu üben wie zu versuchen zusammenzuhalten. denn beides fehlt uns gerade.
wie die wunderbare parole schlechtes wetter, harte zeiten – für den feminismus fighten spielerisch auf den punkt bringt, sollten uns regenwolken nicht davon abhalten weiter am schönen zu arbeiten. immerhin hat mary shelly aus langeweile in einem regnerischen sommer ein ganzes genre erfunden – eine gute inspiration also.
seht diese ausgabe mantis magazine gerne als den ort, den er ist: ein ort des austausches, der perspektivgewinnung und eines feministischen zuhauses. ich lade euch herzlich dazu ein, diese ausgabe mit einem kritischen blick zu lesen, mit der frage nach allianzen und unstimmigkeiten.
viel freude bei der lektüre!
eve obier
herausgeber:in mantis magazine
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